Eines der größten Mysterien welche die Sportangelei zu bieten hat ist die standhafte Weigerung deutscher Bootsangler auf der Ostsee irgendeine Form effektiver Driftkontrolle auszuüben. Das lassen wir jetzt bitte erst einmal sacken!

Für die Welsfischerei gibt es u.a. den „Quantum Drift Sack XXL“, einen preiswerten Treibanker im Fallschirm-Profil. Dieser bremst ein Kleinboot oder Kajak auch bei 4 Windstärken noch auf 0.5-0,8kn herunter. Solange keine wilden Querströmungen dazu kommn kann man damit leichte Haarjigs und Wattwurmjigs von 10-20gr in jeder beliebigen Tiefe anbieten. Nicht effektiv sind die runden, Eimerförmigen Driftsocken. Diese sollen lediglich ein manövrierunfähiges Boot im Sturm ausrichten. Sie bieten bei normalem Wind und mäßiger Drift keine befriedigende Bremswirkung.

Man befestigt den Treibanker mit einer kurzen Gummi Schot von 1-3m direkt am Boot, so wie man es im Wind ausgerichtet haben möchte. Mit einer seitlich befestigten zweiten, längeren Steuerleine kann er leicht und schnell wieder eingezogen werden. Das Ganze kostet mit Kleinteilen etwa 50 Euro und ermöglicht eine völlig andere, viel leichtere Fischerei.

Als absolut Richtungsweisend betrachte ich den Einsatz von GPS-gesteuerten Elektromotoren. Während sich Trollingexperten im Frühjahr den Kopf darüber zerbrechen wie sie ihre Köder abwechslungsreicher und vor allem im Flachwasser präsentieren können erlaubt so ein Gerät das bequeme, präzise Abfischen markanter Flachwasserstrukturen auch bei auflandigem Wind. Die Kombination aus der Mobilität eines Sportbootes mit der Präzision eines solchen Motors halte ich für unschlagbar beim Meerforellenfischen. Außerdem umgeht man damit Küstennahe Trollingverbote. Es wundert mich daher nicht dass z.B. der bekannte Dänische Meerforellenangler Thomas Hansen („Geheimnisse der Meerforelle“) sich eben solch ein Boot nach amerikanischem Vorbild hergerichtet hat, und zwar ohne einen einzigen Schlepprutenhalter! Er benutzt zusätzlich zum Bugmotor sogar einen „power pole ankor“. Das ist eine Stange die sich im Flachwasser lautlos in den Grund bohrt um das Boot leise und präzise zu verankern.

Die Drift hat viele Plattfische gebracht? Na dann fahren wir die Strecke mit 0,8kn zurück! Es hat gezuppelt? Mitten auf der Ostsee Makrelen im Freiwasser gefunden? Na dann „ankern“ wir hier auf dem Spot- per Knopfdruck! Auf vielen großen Talsperren und anderen offenen Gewässern sind diese Motoren aus der modernen Raubfischangelei gar nicht mehr wegzudenken, aber auf der Ostsee... Ein Mysterium!