Köderführung

Köderführung

 

Haarjigs sind uralte Köder, aber für die meisten Angler in Europa doch recht ungewohnt in der Anwendung. Ich habe neulich gelesen sie hätten kaum Eigenaktion und müßten deshalb besonders lebhaft  geführt werden – das stimmt nach meiner Erfahrung nur in Ausnahmefällen. Sieht man sich den Köder im Wasser mal aus der Nähe an, wird man feststellen dass es fast unmöglich ist ihn so ruhig zu halten dass sich nicht irgendetwas daran bewegt. Es gibt keine Wobblerschaufel, Gummimischungshärte  oder Blinkerwölbung die eine gewisse Mindestgeschwindigkeit erfordert. Im Wasser genügt die kleinste Bewegung der Rutenhand oder des Bootes um das Material in eine natürliche, fließende, subtile Bewegung zu versetzen.

Der wesentliche Vorteil von Haarjigs liegt in der lebensnahen Natürlichkeit, und deshalb sollte man auch eine lebensnahe Führungsweise anwenden.

Ein echtes Fischchen bewegt sich relativ ruhig durchs Wasser, bzw. steht in der Strömung. Nur hin und wieder bricht es ein kleines Stückchen aus um einen Nahrungsbrocken aufzuschnappen oder um Anschluss an seinen Schwarm zu finden. Bodennah lebende Fische stürzen bei Gefahr abrupt nach unten in die Deckung.  Dies gilt es nachzuahmen:  Auswerfen, in die gewünschte Tiefe sinken lassen, und dann relativ gleichmäßig einkurbeln.  Nur hin und wieder mit der Rutenspitze ein wenig zupfen oder den Köder zu Boden stürzen lassen.  Dabei kann und sollte man die Schnur ruhig völlig erschlaffen lassen, nur dann fällt der Köder wirklich frei und täuscht eine entschlossene Flucht in die Deckung vor.    

Der Kontrollverlust durch die schlaffe Schnur ist nicht schlimm: Da es sich um natürliche Materialien handelt und die unangenehmen Metallteile lackiert sind, behält der Fisch den eingesaugten Köder sekundenlang  im Maul.  

Die Banana-Propeller-Köpfe spielen(und fangen!) nur dann auch im Absinken wenn die Schnur wirklich schlaff durchhängt. Die Rutenspitze halte ich daher meist eher in einer 10h bis 11h Position damit ich bei einem Anfasser sofort einen halben Meter Schnur nachgeben kann um den Jig abstürzen zu lassen, was meist einen entschlossenen Biss auslöst.   Eingefleischte „Faulenzer“ ,die den Köder nur an gespannter Schnur absinken lassen, sollten von den Bananas daher eher die Finger lassen und erstmal mit Spinnerjigs oder Spitzköpfen loslegen. 

Eine aggressive Führung ist nur angebracht wenn man wirklich ein fliehendes Fischchen imitieren will. Hierzu kurbelt man gleichmäßig ein und läßt die Rute dabei pumpende Schläge ausführen, ähnlich wie mit einem „walk-the dock“ Slider-Jerkbait.  Dies kann man an der Oberfläche machen oder aber auch z.B. beim Makrelenfischen am  Grund anfangen und dann durch alle Wasserschichten hindurch. 

Beim Schleppen halte ich die Rute möglichst in der Hand. Ich führe den Köder in 1-3 langsamen Zügen nach vorne und lasse ihn dann soweit wie möglich abstürzen, indem ich die Rute schlagartig nach hinten führe.  Auf Meerforellen und Hornhechte wirkt das sehr gut, mit schwereren Ködern auch auf Dorsch.

Beim Vertikalangeln setze ich gerne zwei Köder in verschiedenen Gewichten ein. Einen schweren der an der „Toten“ Rute im Halter zuverlässig in Grundnähe fischt, und ein leichterer Köder der von der Drift ganz gerne auch mal ein gutes Stück nach oben gedrückt werden darf und die aktiveren Fische anspricht.    Grundsätzlich gilt dass so ein Haarjig auch im Freiwasser gut aufgehoben ist und nicht unbedingt nur am Grund klopfen muss. Daher kann man auch wesentlich leichter fischen als mit voluminösen Gummiködern oder Blinkern.

Als Ködergewicht rechne ich ungefähr ein Gramm pro Meter Wassertiefe die ich maximal erreichen möchte. Das ist eine ganz grobe Regel: An der aktiven UL-Rute mit 0.06er Nanofiler Schnur fische ich auch mal mit 3,5gr in 7m Tiefe  oder mehr. An der toten Rute mit „normalem“ Gerät und“ 15er geflochtener Schnur macht sich dort aber z.B. ein 14er Jig deutlich besser.